Silent Night bothered by standing ovations

12/25/2009

Applaus. Szenenapplaus, als der katholische Priester das Christkind in die Grippe legt. Die gesamte Kirchengemeinschaft erhebt sich von Ihren Plätzen und klatscht dem Pfarrer zu. Plötzlich wird es hell. Vielleicht der aufgehende Stern von Bethlehem? Weit gefehlt. Die anwesenden Sünder zücken hunderte von mitgebrachten Digitalkameras und fotografieren die Szenerie der beginnenden Weihnachtsgeschichte.

So geschehen am 24. Dezember 2009 in der berühmten St. Patricks Kathedrale in New York. Zugegeben, es kriecht etwas Befremdliches in einem hoch wird eine Kirche plötzlich und ohne Vorwarnung mit tosendem Applaus erfüllt. Nachdem sich der erste Schock verflüchtigt hat fühlt man sich allerdings seltsam vertraut in diesem übervollen Gotteshaus, in dem selbst der Sitznachbar ein Fremder ist.

Wofür man in deutschen katholischen Gotteshäusern wahrscheinlich noch im 21. Jahrhundert von der Inquisition verfolgt wird  gehört hier zum liturgischen Konzept. Applaus nach der Predigt. Applaus am Ende der Messe. Wie im Theater. Das Publikum – in diesem Umfeld gerne als Schafherde bezeichnet – gibt dem Protagonisten, also dem Hirten, eine kurze Rückmeldung zur vorangegangenen Performance – in diesem Kontext also weitestgehend zur Qualität der Glaubensvermittlung.

Ansonsten unterscheidet sich der Gottesdienst wenig von dem was man aus deutschen Glaubensvermittlungsinstituten kennt. Gut, der Pfarrer predigt hier noch von der Kanzel, aber das muss er ja auch: Ohne Bühne kein Applaus.

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Create the new NYC condom

12/19/2009

“Mach’s mit!” sagen die Deutschen. “Get some!” die New Yorker. Gemeint ist dasselbe: Matratzensport mit Schienbeinschoner. Problem: Wie bringe ich die Regeln auf den Bolzplatz ohne gleich als lebendige Torwand zu enden?

Während die deutschen Werber nach den spannendsten Liebesorten fragen hat die New Yorker Kreativ-Elite zum Design-Wettbewerb aufgerufen. “Design the next NYC condom wrapper” heißt die Kampagne, die ihre Zielgruppe dazu aufruft eine speziell auf New York zugeschnittene Kondom-Verpackung zu entwerfen. Auf beiden Seiten des Atlantiks setzt man also ganz modern auf “user generated content.” Gute Nachrichten für die Gilde der deutschen Kastenbrillenträger. Wir sind dran an den Innovationspächtern aus Übersee.

Fast. Denn in einer Facette ist die NYC Kampagne dann doch durchdachter. Sowohl in den Fernsehspots als auch in der gesamten Printkommunikation sprechen die New Yorker ihre Zielgruppe sehr individuell an. So gibt es Motive für jeden unterschiedlichen Distrikt, damit wirklich niemand sagen kann er hätte sich nicht angesprochen gefühlt. Gut gemacht.

Na dann, let’s get some and then just do it – aber das war ja wieder was anderes.

Natürlich ist die Kampagne auch standesgemäß bei Facebook integriert. Click and enjoy.


How many Starbucks are there in Manhattan?

12/09/2009

Einer an jeder Ecke. Gefühlt. Und da stellt sich schon die nächste Frage: Wie viele Straßen-Ecken gibt’s in Manhattan?

Richard Howe, Künstler und Photograph aus New York, hat sich die Mühe gemacht die Ecken Manhattans zu dokumentieren. Mehr als 10.000 Mal hat er den Auslöser seiner Kamera gedrückt um jede Corner in den Kasten zu bekommen. Wie viele Ecken es genau sind bleibt letztliche bürokratische Haarspalterei: „There are about 10,400 street corners in Manhattan – the exact number is a matter of definition and even a matter of judgment,“ schreibt Howe auf seiner Website, die einen Ausschnitt seiner 2 jährigen Recherche zeigt.
Zwar ist auf einigen von Howes Bildern das Starbucks Signet erkennbar, wie häufig sich der Künstler allerdings unbewusst als Marken-Chronist des Pappbecher-Cafe-Distributors betätigt lässt er im Dunkeln.

Glücklicherweise gibt es nicht nur ambitionierte Photographen in der US-Metropole. Auch die Zunft der Bewegtbildkünstler kommt dann und wann auf abstruse Dokumentations-Ideen. So auch Mark Malkoff, der sich am 29. Juni 2007 auf den Weg macht, jede Starbucks-Filiale in New York zu besuchen und damit endlich aufzuklären, wie viele grüne Milchcafeautomaten wirklich hier herumstehen.
Seine Wette: Innerhalb von 24 Stunden in jeder Starbucks-Filiale aufzuschlagen und überall ein Produkt nach Wahl zu kaufen. Malkoff, im richtigen Leben Drehbuchautor und Comidian, dokumentiert seine koffeinhaltige Reise mit der Kamera. Sein Trip startet um 04:30 Uhr morgens in 181st Street and Washington Heights. Als er nach mehr als 22 Stunden auf dem Fahrrad, der U-Bahn, im Bus, Taxi und einer Fahrt mit Privat-Chauffeur in 60th Street Ecke Broadway angekommen ist hat er 369,14 Dollar in 171 Starbucks-Filialen gelassen und damit seine kuriose Wette gewonnen.

Das Gefühl trügt also. An jeder Ecke ist Starbucks selbst in Manhattan noch nicht angekommen. Nimmt man die beiden Rechercheergebnisse allerdings zusammen, so kommt immerhin noch auf jede 15. Straßenkreuzung eine Filiale. Gerechnet.

Mehr Infos: CNN-Interview mit Mark Malkoff zur Starbucks-Aktion