Silent Night bothered by standing ovations

Applaus. Szenenapplaus, als der katholische Priester das Christkind in die Grippe legt. Die gesamte Kirchengemeinschaft erhebt sich von Ihren Plätzen und klatscht dem Pfarrer zu. Plötzlich wird es hell. Vielleicht der aufgehende Stern von Bethlehem? Weit gefehlt. Die anwesenden Sünder zücken hunderte von mitgebrachten Digitalkameras und fotografieren die Szenerie der beginnenden Weihnachtsgeschichte.

So geschehen am 24. Dezember 2009 in der berühmten St. Patricks Kathedrale in New York. Zugegeben, es kriecht etwas Befremdliches in einem hoch wird eine Kirche plötzlich und ohne Vorwarnung mit tosendem Applaus erfüllt. Nachdem sich der erste Schock verflüchtigt hat fühlt man sich allerdings seltsam vertraut in diesem übervollen Gotteshaus, in dem selbst der Sitznachbar ein Fremder ist.

Wofür man in deutschen katholischen Gotteshäusern wahrscheinlich noch im 21. Jahrhundert von der Inquisition verfolgt wird  gehört hier zum liturgischen Konzept. Applaus nach der Predigt. Applaus am Ende der Messe. Wie im Theater. Das Publikum – in diesem Umfeld gerne als Schafherde bezeichnet – gibt dem Protagonisten, also dem Hirten, eine kurze Rückmeldung zur vorangegangenen Performance – in diesem Kontext also weitestgehend zur Qualität der Glaubensvermittlung.

Ansonsten unterscheidet sich der Gottesdienst wenig von dem was man aus deutschen Glaubensvermittlungsinstituten kennt. Gut, der Pfarrer predigt hier noch von der Kanzel, aber das muss er ja auch: Ohne Bühne kein Applaus.

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