Project Runway – Reality TV #1.263

01/23/2010

“Project Runway” könnte der neue Kassenschlager für Pro7 heißen. Nachdem man sich beim Reality-Sender weniger die Mühe macht eigene Formate zu entwickeln als vielmehr auf Bewährtes aus Übersee zurückzugreifen dürfte die erste Folge nicht mehr lange auf sich warten lassen. Gut, etwas Gedulden muss sich der deutsche TV-Voyeur natürlich schon. Zumindest solange, bis Heidi sich entnabelt hat. Was weniger mit der Vertragserfüllung des produzierenden Senders „Lifetime Television“ zu tun hat, als vielmehr mit ihrem vierten Kind. Oder war’s das fünfte?

Wie auch immer – das Konzept der Sendung ist schneller erklärt: Eine Horde Modedesigner sucht ihr talentiertestes Mitglied.

Gerade ist in den USA die siebte Staffel gestartet. Ein Anzeiger dafür, dass die Einschaltquoten der Sendung nach wie vor beachtlich sind. Warten wir’s also ab wann wir dem deutschen Schneidernachwuchs dabei zusehen dürfen, wie er um die Wette näht. Das einzige worüber die Format-Kopierer bei Pro7 sich noch Gedanken machen müssen ist der Name der Show. Project Runway mutet da fast etwas zu amerikanisch an. „Projekt Laufsteak“ vielleicht. Mit freundlicher Unterstützung von „Du darfst.“ Auch schön: „Lagerfelds Erben“. Wobei hier im Vorfeld die Frage zu klären wäre, ob Guido Knopp für die Co-Moderation zur Verfügung steht. Mein persönlicher Favorit wäre allerdings „Näher dran“ – aber vermutlich ist das schon wieder zu weit um die Ecke gedacht. Sonstige Vorschläge?


Aktueller “Projekt Runway” Trailer:

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Pick your Bachelor out of the shop window

01/17/2010

“Und hier ist Ihr – Herzblatt.” Ah, da werden Kindheitserinnerungen wach. Wer erinnert sich nicht gerne zurück an die Freitagabende vor der Glotze, unterhalten vom rauchenden Holländer Carrell und seiner kurzen Zusammenfassung Susi. Das waren noch richtige Shows. Große Unterhaltung. Keine voyeuristischen Kurzklips bei denen naive Mauerblümchen im Minutentakt in Tränen ausbrechen weil sich ihr  Modelltraum – mangels Talent wohlgemerkt – nun doch nicht erfüllt und die Frische-Theke der Fleischfachverkäuferin im EDEKA-Markt Bad Salzuflen widererwarten die einzig greifbare Bühne bleibt. Das die Gags damals bei Herzblatt ebenfalls aus der Feder von Gagschreibern kamen und die Show aufgezeichnet war hat die Illusion der großen Unterhaltung erst Jahre später zerstört. Aber nach der Sauerei mit dem Weihnachtsmann, dem Christkind und dem amoklaufenden Schneiderlein konnte diese Enttäuschung das Fundament ohnehin nicht mehr nachhaltig erschüttern.

Snapshots der Herzblatt-Show im Schaufenster von Bloomingdale’s:

Einen Mehrwert hat Rudis Blinddating-Show dann allerdings doch. Im Gegensatz zur Topmodel-Pandemie wird das Konzept mittlerweile von den Amerikanern, nicht zuletzt im hippen New York, kopiert. Üblicherweise ist das ja umgekehrt. Das Edelkaufhaus Bloomingdale’s gab kürzlich eine Live-Session der Dating-Show in Ihrem Eckschaufenster an der Lexington Avenue. Drei adrette Junggesellen wurden dort live von einer Unbekannten im Schaufenster interviewt. Per Lautsprecher an der Außenfassade des Gebäudes konnte die johlende Menge den Fortgang im Inneren verfolgen. Ob die Gags vorgeschrieben und die Akteure lediglich Schauspielstudenten waren sei dahingestellt. Viel wichtiger ist, dass das Konzept die Masse bis heute zum innehalten bewegt. Was schließlich zur Conclusio führt, das eingedeutschte Holländer wohl doch die besseren Marketiers sind.


Wölffer Estate Vineyards – The realized American dream

01/12/2010

Viele träumen davon, er war einer. Ein Self-made Millionaire. Ein reales Stück des American Dream. Die Rede ist von Christian Wölffer, einem deutschen Kaufmann der bis zu seinem Tod am Silvestertag 2008 (s. Textkasten) zur High Society Amerikas gehörte.

Manager, Immobilienmakler, Weingutbesitzer. Wölffers Vita liest sich wie der Auszug aus einem Branchenbuch. Der gebürtige Hamburger beherrschte 6 Sprachen fließend und war ständig auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Eine davon war die Gründung der „Wölffer Estate Vineyards“, seinem eigenen Weingut in den Hamptons. Wölffer hatte hier, zwei Autostunden von New York City entfernt, 1978 eine alte Kartoffelfarm gekauft um sie peu à peu zum Weingut umzufunktionieren.

Als Spinner wurde der deutsche damals bezeichnet. Die umliegenden, renommierten Traubensaftveredler belächelten ihn müde. Wölffer ließ sie lächeln. Ende der Achtziger Jahre startete er, zuerst noch etwas zaghaft, mit dem Betrieb der Weinkellerei. 1992 kaufte er sich mit Roman Roth einen deutschen Landsmann und studierten Kellermeister ein und machte diesem nur eine einzige Vorgabe: „Mach was du willst. Hauptsache wir gehören in den nächsten fünf Jahren zu den Top drei der Hamptons“.

Wenn Roman Roth diese Geschichte heute beiläufig erzählt spürt man förmlich den Spirit, der damals von Wölffer ausgegangen sein musste. Und Roth, der sein Handwerk im badischen Oberrotweil gelernt hat, tat worum Wölffer ihn bat. Innerhalb der Frist avancierte das Weingut zu einem der besten der Region. Speiselokale aus dem nahen New York die etwas auf sich halten, haben heute selbstverständlich Weine aus dem Anbaugebiet der „Wölffer Estate Vineyards“ auf der Karte. Aber nicht nur das Weingut hat unter Roth an Renommee gewonnen. Auch der Kellermeister selbst konnte unter den klimatisch astreinen Bedienungen der Hamptons reifen. 2003 wurde Roth zum Weinmacher des Jahres gekürt. Und damit geht er weiter. Der American Dream, der von einem Hamburger Kaufmann an einen schwäbischen Weinmacher vererbt wurde.

Christian Wölffers tragischer Badeunfall in Brasilien

Am Silvestertag 2008 wird Christian Wölffer in Parati (Brasilien) beim Schwimmen im offenen Meer von einem Motorboot erfasst und tödlich verletzt. Der brasilianische Schauspieler Rodrigo Hilbert versuchte Wölffer noch zu retten, allerdings ohne Erfolg. Wölffer erliegt noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen.

Spiegelmeldung vom 02.01.2009 zum Tod von Christian Wölffer
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Interview mit Christian Wölffer

Christian Wölffer im Interview mit Ingrid Lemme von American Dream (youtube, 26:52 min).